Jul 29 2004
Rand- und Namibia - $ - Anstieg
Jahrelang war der südafrikanische Rand für die Karrikaturisten am Kap eine Zielscheibe. Zumeist wurde die Kapwährung dabei als ein Hempfling porträtiert, den zwei Muskelprotze - der Dollar und das britische Pfund - übel zurichten. Den Höhepunkt erreichten Hohn und Spott Ende 2001, als der Rand nach allen Regeln der Kunst einbrach und kurzzeitig auf ein Allzeit-Tief von 13,85 Rand je Dollar fiel. Kaum jemand gab damals noch einen Pfifferling auf die Weichwährung vom Kap, am allerwenigsten die Südafrikaner selbst.
Wie sich das Blatt wenden kann. In den letzten beiden Jahren hat der Rand Muskeln bekommen und wirkt nun zeitweise wie gedopt. ?The rand on steroids? jubeln nun stolz die nationalen Gazetten. Weltweit war der Rand in den letzten 12 Monaten die mit Abstand stärkste Währung zum Dollar. Nachdem die südafrikanische Währung bereits 2002 fast 40% und 2003 weitere 25% zum Greenback wettmachen konnte, hat sie dieses Jahr weitere 13% zugelegt und ist Anfang letzter Woche zeitweise bis auf 5,85 R/$ gestiegen. Zuletzt hatte sich der Rand im Januar 1999 auf diesem Niveau befunden. Für einen Euro werden gegenwärtig 7,40 Rand gezahlt.
Die Gründe für die Kehrtwende sind schnell ausgemacht. Hauptursache sind die hohen Rohstoffpreise, von denen Südafrika, genauso wie die Bergbauländer Australien oder Kanada, profitiert. Schließlich machen Rohstoffe noch immer fast 40% der Exporterlöse vom Kap aus und stützen die Währung. Daneben lockt Südafrika Anleger aus aller Welt mit einem attraktiven Realzins von fast 4%. Wer das Risiko einer stärkeren Randkorrektur nicht scheut, kann sich in den USA oder Europa noch immer billig Geld borgen und damit Anlagen am Kap finanzieren. Je länger der Rand zulegt, desto größer das Vertrauen der Anleger. Dies ist umso erstaunlicher, als der Zufluss von langfristigem Auslandskapital ans Kap in Sachanlagen quasi zum Erliegen gekommen ist.
Inzwischen hat der schier unaufhaltsame Höhenflug des Rand vor allem bei den vielen Exporteuren zu tiefen Sorgenfalten geführt. Besonders hart gebeutelt wird die Goldindustrie, deren Minen am Kap zum Teil über 4000 Meter tief und entsprechend teuer sind. Während ihre Abbau- und Lohnkosten in (starkem) Rand anfallen, fießen die Erlöse für das Edelmetall in (schwachem) Dollar. Bei dem gegenwärtigen Umtauschkurs machen die meisten Goldminen keine Gewinne mehr. Schlimmer: noch mehr als die Hälfte schreibt Verluste und reduziert die Produktion. Wenn man die Kapitalausgaben einrechnet, arbeiten derzeit fast 90% der Minen am Kap unrentabel.
Ebenso schwer leiden neben dem Tourismus auch die Frucht-, Wein- und Textilbranche. Hier brauchen Unternehmen wegen der hohen Lohnkosten einen Rand von etwa 8,50 je Dollar, um Geld zu verdienen. Aber von einer solchen Umtauschrate ist der Rand derzeit weit entfernt - und wenig deutet trotz der klaren Überbewertung auf einen plötzlichen Absturz hin.
Aus: Allgemeine Zeitung, Windhoek, 27.Mai 2004