Die Rezession, der Zusammenbruch des Immobilienmarktes, die demographische Entwicklung der Bevölkerung und die veränderten Interessen führen zu gravierenden Aenderungen in der Landschaft der US Golf- und Country Clubs.
Bis vor wenigen Jahren musste man bis zu 6 Jahren warten um in einige der begehrten Golfclubs in Naples aufgenommen zu werden. Die Eintrittsgebühren lagen bei bis zu $ 250,000. Heute ist es genau umgekehrt, will man die Mitgliedschaft aufgeben, muss man in den gleichen Clubs nun 6 Jahre oder mehr warten, bis man sein Geld (sofern überhaupt) zurück bekommt. Die Höhe der Rückzahlung hängt oftmals davon ab, zu welchem Preis neue Mitgliedschaften verkauft werden. Stiegen früher die Preise ständig, war eine Mitgliedschaft eine gute Kapitalanlage. Die meisten Golfclubs haben nun aber ihre Aufnahmegebühren drastisch gesenkt, oftmals um mehr als die Hälfte. Die Anzahl der gespielten Runden reduziert sich seit 2002 und in den letzten Jahren wurden erstmals seit 60 Jahren mehr Golfplätze geschlossen als eröffnet. Mehr als 600,000 Personen finden ihr Auskommen durch Golf. Angefangen von den Golflehrern, über Designer der (nach meiner Ansicht oftmals absolut lächerlich aussehenden) Golfkleidung bis zu den Immobilienentwicklern der Golfanlagen. Viele Country Clubs konnten den Konkurs nur abwenden in dem sie sich für das generelle Publikum öffneten. Gab es in Myrtle Beach noch 125 Golfplätze im Jahre 2006, so sind es jetzt mal noch gerade 100. 15 % der ca. 4,400 privaten Golfclubs haben finanzielle Probleme und haben (je nach Schätzung) zwischen 5 und 15 % Ihrer Mitglieder im letzten Jahr verloren.
Wie ist es nun zu dieser 180 Grad Wendung gekommen? Schauen wir uns zuerst einmal die Golfclubs an. In der Vergangenheit wurde sehr viel unternommen neue Leute für Golf zu begeistern. Von Trainingslagern, über mit Prominenten besetzten Turnieren zu speziellen Anlagen für Anfänger wurde vieles unternommen um neue Spieler zu gewinnen. Der enorme Erfolg von Tiger Woods hat dem Sport grosse Aufmerksamkeit zukommen lassen. Aus den bekannten Gründen, ist das erst einmal vorbei für den Moment. 28 Millionen Amerikaner spielen Golf. Die Hälfte davon mehr als achtmal im Jahr. Drei Millionen Personen spielen jedes Jahr das erste Mal Golf. Aber die gleiche Anzahl gibt das Spiel auf….. Seit dem Höhepunkt im Jahre 2000 ist die Anzahl der Golfspieler um mehr als 11 % gesunken. Immer mehr Frauen haben angefangen Golf zu spielen (40 % aller neuen Spieler), aber noch mehr geben den Sport auf. Es ist auch eine Generationenfrage. Die unter 40-jährigen arbeiten härter und verbringen ihre Zeit lieber mit der Familie und/oder im Fitnesscenter. Fitness (sei es durch Yoga, Pilates, Fitnessclub) hat an Popularität in den letzten 20 Jahren ständig zugenommen. Die Aktivitäten sind weniger zeitaufwendig und günstiger. Die Zwanzigjährigen beschäftigen sich lieber mit Computerspielen. Im heutigen Zeitalter der „instant gratification“ ist ein Spiel, dass vier bis sechs Stunden dauern kann, viel zu langsam und langweilig.
Die rasant angestiegenen Kosten haben vielen Spielern die Lust genommen. Green fees, Aufnahmegebühren und die jährlichen Mitgliederbeiträge sind drastisch in die Höhe gegangen. Die Rezession zwingt viele Leute zu sparen. Die Mitgliedschaft in einem oder mehreren Golf- (oder Country Clubs) fällt da schnell einmal der Kostenschere zum Opfer. Viele können sich die Kosten von $ 100 bis $400 für eine Runde Golf nicht mehr leisten. Zum anderen fehlt die notwendige Zeit zum Spielen. länger und härter zu arbeiten. Firmen verlangen heute mehr Einsatz von ihren Mitarbeitern. Golfmitgliedschaft und Golfspielen ist ein Luxus, den sich viele im jetzigen schwierigen Umfeld sehr genau überlegen.
Die sinkenden Einnahmen zwingen die Clubs ihre Dienstleistungen zu reduzieren, den Unterhalt der Anlagen zurück zufahren und erlaubt es ihnen nicht, Fitness Center, Swimming Pool und Spa zu bauen, die wiederum die jüngere Kundschaft anziehen würden. Die opulenten Restaurantbetriebe in den Club bringen nur Verluste. Bei neuen Clubs werden nur noch Restaurants im Bistrostil geplant.
Der Zusammenbruch des Immobilienmarktes hat auch seine Auswirkungen. Eine ganze Reihe von Golf- und Country Club wurden nicht ganz fertig gestellt, mussten durch die Mitglieder übernommen werden, da die Immobilienentwickler nicht mehr ihren finanziellen Verpflichtungen nachkamen. Soweit scheuen Leute davor zurück, Mitglieder in Clubs zu werden, die noch nicht an die Mitglieder übergeben wurden.
Wenden wir uns nun den Country Clubs zu. Waren diese bis vor einigen Jahren eine Bastion des amerikanischen Gesellschaftsleben, so hat sich auch hier das Bild geändert. Mit dem beruflichen Karriere kam auch die Möglichkeit Mitglied in einem Country Club zu werden. Die Clubs suchten sich ihre Mitglieder aus Wartelisten aus. Nun werden Inserate in den lokalen Zeitungen geschaltet um neue Mitglieder zu finden. Schockierend und unfassbar für die alteingesessenen Familien, die zum Teil schon seit Generationen Mitglieder sind. Die Kleidervorschriften werden gelockert und die Speisekarten sowohl preislich wie auch vom Angebot an die Bedürfnisse der neuen Mitglieder angepasst.
Die Wochenende wurden mit der Familie im Club verbracht. Das gesellschaftliche Leben fand im Club statt. Geburtstage, Hochzeiten und Familienfeste wurden abgehalten. Der Club war das zweite Heim der Familien. Im Anzug und festlichen Kleidern traf sich die Elite um unter sich zu sein und zu bleiben. Traditionen wurden geschaffen und gepflegt. Jeder kannte jeden und wurden vom Personal immer mit Namen begrüsst.
Die meisten oben angeführten Gründe sind auch verantwortlich für die Probleme der Country Clubs. Hinzukommt, dass die junge Generation viel flexibler ist und nicht das ganze Wochenende in einem Club verbringen möchte. Das soziale Verhalten hat sich geändert. Junge Familien wollen ihre Wochenenden mit einer Vielzahl von Aktivitäten verbringen. Mitgliedschaften in den Clubs sind nicht mehr so erstrebenswert um den sozialen Status zu zeigen. Dass man es „geschafft“ hat wird durch Autos, Häuser, Trophy Wifes und andere materielle Errungenschaften gezeigt. Karriere und Geschäfte können heute auch ohne die im Club geknüpften Verbindungen gemacht werden.
Weder Golf noch Country Clubs werden von der Bildfläche verschwinden. Leute werden immer Golf spielen. Ein Teil der amerikanischen Gesellschaft wird immer den gesellschaftlichen Status suchen und ein Umfeld suchen, wo sie sich nur unter Gleichgesinnten/Gleichgestellten bewegen können. Bei vielen Clubs wird sich das Dienstleistungsangebot und die Exklusivität ändern und eine teilweise Oeffnung gegenüber dem allgemeinen Publikum gegenüber stattfinden.
Von Rainer Filthaut, IRC International Realty
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